Musik und Tanz

Dass Musik und Tanz im Leben der Völker Zentralasiens immer eine große Rolle gespielt haben, belegen nicht nur zahlreiche archäologische Funde aus vorislamischer Zeit zwischen Amudarja und Syrdarja, z. B. die vielfarbigen Wandmalereien in Pendschikent oder auch der Rustam-Fries von Airtam mit Musikanten und Tänzerinnen, sondern auch die über Jahrhunderte von Generation zu Generation überlieferten Lieder.

Nach der Araber-Invasion bildeten die in Zentralasien vorhandenen Musikkulturen mit der islamischen Musik Arabiens gleichsam eine Symbiose, ohne jedoch ihre regionale Besonderheit und Eigen art zu verlieren. Die Musik wurde zu einem festen Bestandteil auch der «neuen» Kultur, und die Musikanten genossen in der Gesellschaft hohes Ansehen. Einerseits war es die mündlich überlieferte Volksmusik oft aber auch das improvisierte, aus dem Stegreif gesungene Lied, in denen sich das Leben in all seinen Facetten widerspiegelte. Andererseits war es eine Musik, die zum Tanzen einlud, wobei ebenfalls die frohen und traurigen Ereignisse im Leben einer Gemeinschaft – Geburt, Liebeswerben, Hochzeit, Abschied – zum Ausdruck kamen. Zuhörer und Zuschauer im engeren Sinne gab es dabei nicht, denn alle waren irgendwie durch Mitsingen oder rhythmisches Klatschen an der Aufführung beteiligt.

Die Instrumente, auf denen musiziert wird, gründen auf der gleichen Tradition wie die Melodien, die sie zum Klingen bringen. Möglichkeiten, diese Instrumente kennenzulernen und zu hören, gibt es mehrere: sei es in einer Fabrik für Musikinstrumente in Taschkent, in einem speziellen Museum für Musikinstrumente in Almaty oder im Rahmen einer Folkloreveranstaltung. Es macht einfach Spaß, im schattigen Innenhof einer Medrese mit überkreuzten Beinen auf einem Diwan zu sitzen, grünen Tee zu trinken und den musizierenden, singenden und in ihren Nationalkostümen tanzenden jungen Amateuren zuzuschauen – auch wenn Rhythmus und Melodien europäischen Ohren ungewohnt und fremd erscheinen.

Da gibt es z. B. die Saiteninstrumente – Sitar, Gidschak, Dutar, gezupft oder gestrichen, dann die Blasinstrumente – Nai und Surnai, ähnlich einer Querflöte bzw. einer Klarinette und natürlich Trommeln und Pauken – Nagora und Doira. Obwohl diese traditionelle, über viele Jahrhunderte gepflegte und beliebte Volksmusik in steigendem Maße von Popmusik übertönt wird, ist sie doch bis heute im Volk lebendig und vermittelt – wie auch die anderen Formen künstlerischen Schaffens – dem Besucher einen Eindruck von dem Selbstverständnis und der Identität der Völker Zentralasiens.